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Gastbeitrag: Die Vor- und Nachteile von Containerhäusern

von Melissa Schultz

Trends in der Design-Branche kommen und gehen, in der Architektur ist es nicht anders. Wenn Materialien und Bauverfahren preiswerter, leichter zugänglich oder einfach praktischer werden, überdenken Architekten die Bauart der Wohn- und Geschäftsstrukturen. In den letzten Jahren hat sich ein neues Konzept bewährt, nämlich die Umwandlung ausgesonderter Versandcontainer in Wohnungen, Büros, Klassenzimmer und Läden und hat damit die Welt im Sturm erobert.

Effiziente Raumnutzung

Die Befürworter der sogenannten „Cargotecture“ weisen oft auf ihre unbestreitbar effiziente Raumnutzung hin. Ein typischer Versandcontainer misst etwa 12 Meter Länge, 3 Meter Höhe und ca. 3 Meter Breite. Jedes Modell der Transportbehälter hat eine standardisierte Größe und eine einfache Form, die besonders leicht zu heben und zu stapeln ist. Das spanische Unternehmen „CRG Architects“ stellte einen preisgekrönten Bauplan vor, der genaue diese Idee in Mumbai als eine kostengünstige Alternative zu einer Slumsiedlung wäre und die vielen Familien mit niedrigem Einkommen entgegen kommen würde. Es dauert ungefähr eine Woche, um einen großen Versandcontainer in ein Zwei-Zimmer-Haus umzuwandeln. Darüber hinaus ist die Art und Weise, wie die Schiffskisten gebaut werden, eine besondere – sie müssen den harten Bedingungen widerstehen können, besonders haltbar sein bei gefährlichem Wetter und sogar Schutz vor Hurrikanen liefern.

Minimalismus

Überfüllte Standorte wie zum Beispiel Las Vegas können auch von der Raumeffizienz der Containerhäuser profitieren. Die Casino-Hauptstadt der Welt zieht weit über 40 Million Besucher pro Jahr an und Verschiffungsbehälter könnten erschwinglichere Wohnungslösungen für Reisende und temporäre Bewohner anbieten. Vegas ist seit langem an der Spitze der experimentellen Architektur (sowohl für praktische und künstlerische Zwecke), so dass es nicht verwunderlich ist, dass die Stadt bereit ist, den neu gebauten Innenstadt-Container Park anzubieten. Der Park wird zu einem „Open-Air-Einkaufszentrum“ mit Boutiquen, Bars, Galerien und Take-Away-Essständen, die alle eine Sache gemeinsam haben – sie sind Versand-Container. Für Privatpersonen ist die Umwandlung eines Versandcontainers für den persönlichen Gebrauch entweder als Haus oder Büro eine attraktive Idee zur Förderung des Minimalismus.

Flexibel und kurzfristig

Die Tatsache, dass jeder „Cargo-Shop“ leicht zu einem anderen Zweck umgebaut werden kann, hat auch dazu beigetragen, die Beliebtheit der Containerhäuser voranzutreiben. Im Londoner BoxPark, ein Bereich in dem mehrere Versandbehälter in unmittelbarer Nähe zueinander gestapelt werden, haben Indie-Ladenbesitzer, Köche und Künstler die Möglichkeit, einen Container in dieser beliebten Location für einen oder zwei Monate zu mieten. Ohne Notwendigkeit einer langfristigen Vermietung. Die Kunden profitieren auch davon, da sie bei jedem Shoppingerlebnis jedes Mal neue Geschäfte und Cafés vorfinden. Der nächste Schritt für viele Verkäufer ist, die Container in transportable Räume umzuwandeln, was bedeutet, dass sie theoretisch ihren Markt mit auf die Straße nehmen und in andere Cargotecture-Parks auf der ganzen Welt reisen.

Vorkenntnisse und versteckte Kosten

So weit so gut. Containerhäuser scheinen ein revolutionäres Konzept ohne Nachteile zu sein, aber Kritiken am architektonischen Stil kommen aus allen Ecken. Während Container in manchen Fällen preisgünstigere Alternativen zu einer traditionellen Bauweise bieten, sollte die Kosteneffizienz nicht überschätzt werden. Je nach Umfang der Umstrukturierung eines Containers, kommt man beim Bau eines kleinen Holz- oder Backsteinhauses zu etwa demselben Preis. Als Privatperson braucht es ein beträchtliches Maß an Vorkenntnissen, Vorbereitung und Fertigkeiten, um die Container umzuwandeln. Viele Leute, die ein Cargotecture-Projekt unternehmen, erkennen schnell, dass der Prozess des Umwandelns eines Behälters nicht so einfach ist, wie man anfangs meint.

Sicherheit

Zweitens gibt es eine Reihe von unpraktischen Fragen, die sich stellen, wenn die Idee im großen Maßstab umgesetzt werden soll: Viele der Transportbehälter, die für Cargotecture verwendet werden, benötigen Sicherheitskontrollen, da sogar kleine Dellen die Sicherheit der Struktur kompromittieren könnten. Weiters werden viele kommerzielle Behälter mit Farbe beschichtet, die gefährliche Chemikalien wie Phosphor oder Chromat enthält. Mit jedem Container würde eine notwendige Sicherheitsprüfung sowohl die Zeit als auch die Kosten erhöhen. Darüber hinaus erfordert eine breit angelegte Umsetzung organisierte und effiziente Abwasser-, Strom-, Heizungs- und Lüftungspläne. Diese Notwendigkeiten werden oft übersehen, wenn man die Vorteile der Containerhäuser auf einer kleinen, individuellen Skala betrachtet, im Gegensatz zu der weitreichenden Umsetzung der gesamten Ladetürme.

Ist Cargotecture wirklich umweltfreundlicher?

Darüber hinaus besteht die Annahme, dass Cargotecture umweltfreundlicher ist als andere architektonische Alternativen. Es ist aber eine Menge Energie nötig, um die Herstellung der Container voranzutreiben und sie bewohnbar zu machen. Sandstrahlen der Struktur ersetzt die Böden und Sägeeingänge und diese notwendigen Verfahren produzieren Abfälle in großen Mengen. Hinzu kommt, dass fossiler Brennstoff benötigt wird um diese schweren Strukturen mit Maschinen zu heben und zu transportieren.

Alles in allem scheint Cargotecture nicht die tadellos „grünste“ Lösung zu sein, wohl eher ein losgelöster Hype.


 

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Melissa Schultz ist freie Redakteurin und studierte Kommunikationswissenschaftlerin und derzeit im Onlinemedien-Bereich tätig. Sie schreibt am liebsten über die verschiedensten Themen. Ihr besonderes Interesse gilt der Kunst,  Natur und Umwelt. Dennoch beschränkt sie sich nicht auf eine spezielle Nische und schreibt über eine Vielfalt von Themen.

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